Der große Rückblick zur Internationalen GSA Convention 2019 in Frankfurt!

Voices of Change – Stimmen mit der Kraft, Veränderung zu bewirken

Ob „I have a dream“ oder „Tear down this wall!“ – es braucht Mut, um wie Martin Luther King oder Ronald Reagan seine Stimme zu erheben. Stimmen, die schlussendlich zu „Voices of Change“ wurden – weil sie den Lauf der Geschichte maßgeblich beeinflusst haben. Was können wir tun, um ebenfalls einen Beitrag zu leisten und Veränderung zu bewirken? Eine Frage, die sich wie ein roter Faden durch die 14. Internationale Convention der German Speakers Association (GSA) zog. Neben der Außenperspektive kam natürlich auch der Blick auf den Rednermarkt selbst nicht zu kurz: Wie verändert sich die Branche? Welchen Einfluss haben neue digitale Tools auf das Business? Was sind die Hotspots, die Redner, Trainer und Coaches heute beschäftigen? Eins steht fest: „The times, they are a changin‘“. Unter dem Motto „Voices of Change“ trafen sich vom 5. bis 7. September 2019 rund 300 prominente deutsche und internationale Redner und Referenten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu Vorträgen, Workshops und fachlichem Austausch im Frankfurter Marriott Hotel.

Eine der großen Fragen im Rahmen der Convention: Wird die Digitalisierung Speaker überflüssig machen? Welche Veränderungen können wir bereits heute bemerken? In kleiner Runde diskutierten Daniela Landgraf und Bernd Braun in einem gemeinsamen Workshop mit den Teilnehmern darüber, ob die Entwicklung von immer fähigeren technischen Gadgets einen Einfluss auf die Vortragssprache hat. Wer möglicherweise Technik-Bashing befürchtete, konnte schnell erleichtert aufatmen: Eine Co-Existenz ist möglich. Und einige Tools sind zugegebenermaßen eine echte Bereicherung, um nicht nur zum Publikum zu sprechen, sondern auch mit ihm zu interagieren. Auf der großen Bühne durfte sich ein echter Fachmann mit dem Thema befassen – so sah es zumindest auf den ersten Blick aus.

Angekündigt hatte sich Dr. Michael Stein vom Institut für Kommunikations-optimierung mit seiner Keynote „Chancen 2020 – der Rednermarkt im Einfluss der digitalen Evolution“. Schnell wurde jedoch klar – auf der Bühne stand kein dröger Fachsimpler, sondern GSA-Mitglied und Komiker Jan Ditgen, der den Speaker-Markt herrlich ironisch kommentierte und typisches Gehabe mit einem Augenzwinkern durch den Kakao zog. Spätestens als er die erfolgsversprechende „HDKZMVT“-Strategie (kurz für: Hauptsache der Kunde zahlt meinen vollen Tagessatz) vorstellte, gab es kein Halten mehr. Eine Parodie auf so hohem Niveau, dass das Publikum es ihm nicht einmal übelnehmen konnte, sondern stattdessen donnernden Applaus spendete. Eine gelungene Darbietung, Chapeau!

Menschlichkeit in digitalen Zeiten

Eine wichtige Entwicklung, die sich ebenfalls während der Veranstaltung abzeichnete: Digitalisierung bedeutet nicht zwingend „Entmenschlichung“ im Zuge immer weiter zunehmender Technisierung. Sie kann auch gleichzeitig eine Rückbesinnung auf mehr Menschlichkeit mit sich bringen – wenn wir uns dafür entscheiden. Wie Speaker ihre Stimme in diesem Sinne nutzen können, vermittelte unter anderem Hermien Elago, Mitglied der Professional Speakers Association of Namibia (PSAN), in ihrer Keynote „Speaking Naked“. Natürlich nicht im Sinne von textilfrei, sondern im Sinne von Offenheit, Ehrlichkeit – Menschlichkeit. Christine Hoeft appellierte ebenfalls an die Zuhörer, Emotionen zuzulassen, statt sich zu verstellen. Ihre Botschaft: „Du bist genau so richtig, wie du bist!“

Redner tragen eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die sie mit Worten erreichen. Umso wichtiger ist es daher, auch die Fakten gründlich zu checken. Nur weil etwas im Internet steht, muss es noch lange nicht richtig sein. Boris Nikolai Konrads klare Botschaft zu diesem Thema: „Erzähl keinen Sch*ß!“ Anhand spannender Beispiele aus dem Gebiet der Hirnforschung zeigte der Gedächtnisexperte, was sich dort an Unwahrheiten tummelt und widerlegte mit scharfsinniger Argumentation gleich mehrere für den Laien glaubwürdiger Statistiken. Also Augen auf bei der Recherche für die nächste Keynote!

Online, offline – oder beides?!

Viel diskutierte Themen waren natürlich auch in diesem Jahr Social Media, Digital Business und Buchungen in Zeiten der Digitalisierung. Mit nur wenigen Klicks sieht man sich heute online einer schier unüberschaubaren Zahl an attraktiven Angeboten gegenüber, die Reichtum über Nacht versprechen. Aber sind Sales Funnel, Online-Akademien, Online-Kurse etc. wirklich der Schlüssel zum Erfolg und einem stattlichen passiven Einkommen? NSA Präsidentin Anna Liotta brachte in einem gemeinsamen Workshop mit Sylvie di Giusto Licht ins Dunkel und zeigte anhand zahlreicher Beispiele sehr konkret und nachvollziehbar ihre Erfahrungen rund um die Fallstricke und Möglichkeiten, die Online- und On-Demand-Programme mit sich bringen.

Ist das die Zukunft? Werden bald gar keine Speaker mehr für Live-Keynotes auf der Bühne oder Kick-offs in Unternehmen gebucht? Für Past President und Speaker-Urgestein Andreas Buhr, CSP, kein Grund zur Beunruhigung. Er verriet dem Publikum seine Strategie, wie sie sich auch in Zeiten der Digitalisierung mehr Buchungen sichern können. Neben dem geschickten Einsatz von technischen Hilfsmitteln kommt es noch auf eine andere essenzielle Komponente an, die abermals Anna Liotta in das Bewusstsein der Zuhörer rückte: Generational Codes! Denn die Auftraggeber, die Redner buchen, gehören inzwischen oftmals einer anderen Generation an. Die Folge: Verschiedene Generationen haben verschiedene Vorlieben – und vor allem verschiedene Werte, gegen die wir vielleicht unbewusst verstoßen. Gerade heute ist es wichtiger denn je, sich wertesensibel, tolerant und offen durch eine Welt zu bewegen, die uns allen so viele Möglichkeiten bietet.

Ein Grund mehr, auch genauer darüber nachzudenken, welche Botschaften wir senden. Redner tragen eine Verantwortung, denn sie sprechen Worte aus, die Wirkung haben – und potenziell verletzen können. Wir leben heute in einer Welt, in der Worte eine viel größere Reichweite als früher haben. Umso wichtiger ist es, sich auf gemeinsame Werte zu besinnen und die Individualität jedes einzelnen zu achten. „Andere sind einfach nur anders anders“, konstatierte Daniela Landgraf, die auf der Bühne ein Gespräch zwischen Peter Brandl, CSP, und Christoph Burkhardt moderierte. Millennials machen bald 75 Prozent der Arbeitskräfte aus – und für sie ist Diversity Alltag. Genau das sollte sie für uns alle werden. Um es mit den Worten von Christoph Burkhardt zu sagen: „Wir müssen uns alle etwas mehr anstrengen, „wir“ zu sein statt gleich.”

Neue Formate sorgen für Begeisterung

„Voices of Change“ war nicht nur das Motto der diesjährigen Convention – auch das Programm selbst wartete mit einigen Veränderungen auf: Mit „Keynotes 4×5“ und „Meet the Experts“ gab es in diesem Jahr direkt zwei neue Formate, die beim Publikum erst mal für neugierige Spekulationen sorgen – und anschließend für Begeisterung. Was die Neuerungen gemeinsam hatten: In beiden Fällen tickte die Uhr. Jeweils vier Speaker präsentierten in fünf Minuten die Essenz ihres Themas oder lieferten wertvolle Impulse zum Weiterdenken – spannend! Besonders großen Zulauf fand „Meet the Experts“ am Samstagvormittag, da die Neuerung die Lösung für eine häufige Herausforderung der Convention-Teilnehmer versprach: Warum sich nur für einen Workshop entscheiden, wenn man in der gleichen Zeit vier verschiedene bekommen kann? An zwölf verschiedenen Thementischen luden die Experten zum Gespräch, nach 15 Minuten signalisierte ein Gong den Wechsel. Großes Chaos und Reise nach Jerusalem? Das blieb zum Glück aus. Stattdessen herrschte vielmehr Begeisterung über die Informationsdichte und der ein oder andere hat sich sicherlich gewünscht, noch ein bisschen länger am Tisch seiner Wahl verweilen zu können.

Schlüsselübergabe: Prof. Dr. Volker Römermann ist neuer GSA Präsident

Ein weiterer Change, der aber im Programmplan vorgesehen war: Am Samstagnachmittag übergab Peter Brandl, CSP, sein Amt als GSA Präsident an seinen Nachfolger Prof. Dr. Volker Römermann, CSP. Peter Brandl blickte zufrieden und vor allem dankbar auf seine Amtszeit zurück und bestärkte noch einmal die wichtige Funktion der GSA und ihrer Mitglieder: „Steigende Memberzahlen, volles Haus bei allen Veranstaltungen und eine Akademie, die bereits zwei Monate vor dem Start absolut ausgebucht ist – das kann sich mehr als sehen lassen. Zum Schluss möchte ich noch auf eine Frage eingehen, die uns da draußen, online wie offline, immer wieder gestellt wird: Braucht es eigentlich Speaker? Mit Sicherheit. Denn es gibt so wahnsinnig viele Geschichten, Erlebnisse und Lektionen, die erzählt werden sollten, um Inspiration zu liefern, Mut zu machen und Tipps und Hilfestellung zu geben. Es braucht massenweise Speaker. So viele können wir gar nicht in unserer Akademie produzieren.“

Was er für die kommenden zwei Jahre unter dem Präsidentschaftsmotto „Speaking in right terms“ plant, erläuterte Prof. Dr. Volker Römermann, CSP, in seiner Antrittsrede. Einen Schwerpunkt will er vor allem auf die Internationalisierung der GSA und den Ausbau der Kontakte zu den weltweiten Partner Associations legen. Sein erklärtes Ziel für den zweitgrößten Rednerverband der Welt: Die Austragung des Global Speakers Summit in Deutschland im Jahr 2024. Darüber hinaus plant er, wieder eine Youth Convention nach amerikanischem Vorbild zu veranstalten sowie die Teilnehmer und Absolventen der GSA Akademie mit neuen Maßnahmen besser in den Verband und die Gemeinschaft zu integrieren. Ziele, die allesamt darauf ausgerichtet sind, die Attraktivität der GSA weiter zu steigern: für erfolgreiche Speaker ebenso wie für alteingesessene Trainer und Coaches oder Newbies, die noch am Anfang ihrer Karriere in der Weiterbildungsbranche stehen.

Glanz und Gloria

Die 14. Internationale GSA Convention endete mit einer feierlichen Gala am Samstagabend, auf der zum inzwischen neunten Mal der Deutsche Rednerpreis verliehen wurde. Nach Dr. h.c. mult. Hans-Dietrich Genscher, Prof. Dr. Margot Käßmann, Dr. Dieter Zetsche, Prof. Dr. Roman Herzog, Dr. Auma Obama, Helmut Markwort, Peer Steinbrück und Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ging die Auszeichnung der German Speakers Association in diesem Jahr an Prof. Dr. Alfred Grosser, deutsch-französischer Redner und Hochschullehrer. Leider musste der Preisträger die Reise nach Frankfurt kurzfristig gesundheitsbedingt absagen. Dies tat jedoch dem feierlichen Moment keinen Abbruch: Das Publikum im Saal ehrte Alfred Grosser mit Standing Ovations und tosendem Applaus.

Die Laudatio auf den Preisträger hielt Prof. Dr. Volker Römermann, nun amtierender GSA Präsident sowie Vorsitzender des Rednerpreisgremiums. Er stellte die rhetorischen Fähigkeiten Grossers heraus, während er zahlreiche Stationen seines bewegten Lebens beleuchtete: „Alfred Grosser gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der deutsch-französischen Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit. In seinen Reden verknüpft er mit kluger Weitsicht historische Erkenntnisse und scheut sich dabei nicht, seine Argumente auf den Punkt zu bringen. Mit Scharfsinn und Leidenschaft diskutiert er darüber hinaus über verschiedene politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Er wurde dreimal als externer Gast in den deutschen Bundestag eingeladen, um dort zu sprechen – und er prägte Generationen von Politikern durch seine langjährige Lehre an der Sciences Po in Paris. Alfred Grosser nutzte seine Stimme, um seinen Studenten Weltoffenheit zu lehren und er bekämpfte Klischees und Vorurteile, wo er nur konnte. Das macht ihn zu einem mehr als würdigen Träger des Deutschen Rednerpreises.“

„Voices of Change“ – so heißt auch der neue Award, den die GSA in Frankfurt zum ersten Mal verlieh. Für sein unermüdliches Engagement und seinen Mut, seine Stimme zu erheben, wurde der erst 21-jährige Klimaschützer und Initiator von „Plant for the Planet“, Felix Finkbeiner, von Immediate Past President Peter Brandl mit dem neuen Award ausgezeichnet. Finkbeiners Botschaft an die anwesenden Gäste und GSA-Mitglieder: Wir können gemeinsam Großes erreichen, wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet. Das ließen sich die Zuhörer nicht zweimal sagen: Im Laufe des Galaabends wurden rund 31.500 Bäume gespendet. Eine beeindruckende Summe – und ein großer Schritt in Richtung des erklärten Ziels von „Plant for the Planet“, 1.000 Milliarden neue Bäume auf der Welt zu pflanzen. Danke an alle, die sich beteiligt haben!

Weiter ging es mit der Auszeichnung eines Lebenswerkes: Dr. Marco Freiherr von Münchhausen wurde in die „Hall of Fame“ der German Speakers Association berufen. Eine Auszeichnung, die jährlich maximal drei herausragenden Sprecher-Persönlichkeiten aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gewährt wird. Marco von Münchhausen zeigte sich sehr bewegt von der Ehrung: „Ich bin sehr gerührt über diese Auszeichnung. Meine Knie zittern, ich habe feuchte Hände und mein Herz rast. Hier jetzt vor Profis zu stehen, legt die Latte noch mal ein Stück höher. Und dann noch etwas über sich selbst zu sagen – da geht es ans Eingemachte.“

Die Laudatio hielt René Borbonus, der deutlich herausstellte, was für ein großartiger Mensch und Rhetoriker Marco von Münchhausen ist: „Er steht für Dinge ein, die größer sind als er selbst. Man kann Menschen Ansehen verleihen, indem man sie ansieht. Auch das tut Marco von Münchhausen. Wir Redner haben eine Reichweite, und ich finde, wir sollten sie nutzen, um Werte zu vermitteln und, wenn nötig, zu verteidigen. Hier braucht es Persönlichkeiten, die sich nicht wegducken. Die den Kurs halten, auch wenn ihnen der Gegenwind ins Gesicht bläst.“

Damit nicht genug: Am Freitagnachmittag war bereits der President’s Award der GSA verliehen worden. In diesem Jahr ging die begehrte Auszeichnung nicht etwa an einen Speaker oder eine Speakerin, sondern an das gesamte Team der GSA-Geschäftsstelle für ihren herausragenden Einsatz. Außerdem wurde Barbara Messer, CSP, für „The Walk“ mit dem Innovation Award ausgezeichnet – eine individuell erstellte Installation, die ein Thema multisensorisch und mehrperspektivisch aufbereitet.

Next Stops: Dresden, Wien, Stuttgart

Nach der Convention ist vor der Convention! Die nächsten Events werfen bereits ihre Schatten voraus und sind schon buchbar:

GSA Winter Conference in Dresden vom 12.-13.03.2020

GSA Humortag in Wien am 09.05.2020

15. Internationale GSA Convention in Stuttgart vom 10.-12.09.2020