Rückblick: Internationale GSA Convention 2016

Alle Videos und Interviews zur Convention 2016 finden Sie auf GSA TV:

 

 

 

Alles eine Frage der Performance?

Rückblick auf die 11. Internationale GSA Convention

 

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Schon von Kindesbeinen an wird von uns erwartet, dass wir abliefern. Sei es beim Sport, in der Schule oder später auf der Universität und im Beruf. Topnoten, Beförderung, Gehaltserhöhung – das sind die Kennzahlen unseres Erfolgs. Und unsere Performance ist der Indikator, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Auch vor der Rednerbranche macht diese Entwicklung nicht halt. Wie definiert sich eine wirklich gute Performance? Ist die Karriere vorbei, wenn ein Auftritt so richtig danebengeht? Diesen und weiteren Fragen widmeten sich die Teilnehmer der 11. Internationalen Convention der German Speakers Association (GSA) in Ulm.

GSA Präsident Martin Laschkolnig skizzierte in seiner Eröffnungsrede bereits sehr treffend, welche essentielle Bedeutung das Thema Performance für Keynoter und Vortragsredner hat: „Wir werden als Redner gebucht, um einen Impuls zu geben. Und es ist unsere Performance, die darüber entscheidet, ob dieser Impuls die Teilnehmer auch erreicht.“ Keine leichte Aufgabe, diese Erwartungshaltung bei jedem Auftritt zufriedenstellend zu erfüllen.

Tag 1 begann mit sieben spannenden Sessions der Professional Expert Groups, die die Fortbildungs- und Netzwerkziele der GSA ergänzen.

 

 

Besonders gut besucht war die „PEG Bücherschreiben“. Katharina Maehrlein erzählte aus Sicht einer Autorin und Dr. Sandra Krebs vom GABAL Verlag dagegen aus der einer Programmleiterin, wie der Weg zum eigenen Buch aussehen kann und welche Herausforderungen und Hürden einem dabei begegnen können. Dabei ging es natürlich auch um die für Speaker, Trainer und Coachs wichtigen Fragen, wie: Warum soll ich überhaupt ein Buch schreiben? Was kann ich damit erreichen? Welche Schritte sind nötig? Wie tickt der heutige Leser? Gibt es bestimmte Entscheidungskriterien, an die sich ein Verlag orientiert? Eine der größten Herausforderungen ist selbst für Autoren, die schon ein Buch auf den Markt gebracht haben, das Exposé. Die Autorin empfiehlt, sich vorher mit Exposés zu anderen Themen zu beschäftigen. Als Programmleiterin betonte Sandra Krebs, dass es in erster Linie für sich selbst, in zweiter für den Lektor bzw. den Verlag geschrieben werden sollte. Schließlich ist es der erste Schritt, die eigenen Ideen zu entwickeln und zu Papier zu bringen. Vorausgesetzt natürlich, Positionierung, USP und Kernthese stehen schon. Aus Sicht der Autorin ist das Buch eines Redners, Trainers oder Coachs aber primär Marketinginstrument, um Aufträge zu generieren. Wirklich Geld damit verdienen, das können nur Wenige.

 

„From Hero to Zero“ und zurück

 

Was passieren kann, wen man sich zwischen den Erwartungen der Kunden und dem eigenen Erfolgsdruck aufreibt, schilderte Martin Sänger auf drastische Art und Weise in seiner Keynote „Performance Zero – Von 100 auf 0 in einer Sekunde“. Während die große Mehrheit der Weiterbildner bevorzugt unter dem Motto „Nur keine Schwäche zeigen!“ mit der eigenen Leistung kokettiert, scheute sich Sänger nicht, von seinem persönlichen Tiefpunkt zu berichten: einem Herzinfarkt, der ihn vor zwei Jahren völlig außer Gefecht setzte. Was tun, wenn auf einmal nichts mehr läuft und der Körper die Notbremse zieht? Sänger appellierte an seine Zuhörer, endlich aufzuwachen und auch den Menschen hinter der jeweiligen Performance zu sehen. Denn, so sein augenzwinkerndes Resümee, „wenn Superman ein Problem hat, ruft er garantiert keinen Speaker an.“

Zusammen mit Martin Laschkolnig und Ralf Schmitt präsentierte er anschließend den neu ins Leben gerufenen Fond „Speaker in Not“, mit dem die GSA Mitgliedern Unterstützung anbietet, die krankheitsbedingt ausfallen. Neben einer Finanzierung der Mitgliedsgebühr hilft die Charity Initiative, für bereits bestehende Buchungen Ersatzreferenten zu finden und unterstützt das Mitglied bei seinem Rückkehr auf die Bühne.

Danach wurde es Zeit für große Emotionen und eine Performance der Extraklasse: GSF-Präsident Nabil Doss widmete sich in seiner Keynote „Set Your Message in Motion!“ der Frage, wie wir mit unserer Botschaft überhaupt noch Menschen emotional erreichen können – in einer Zeit, in der die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne gerade mal acht Sekunden beträgt. Seine einfache wie geniale Lösung: Der „Trailer Code“! Längst haben nicht mehr nur Hollywood-Filme einen Trailer, auch Unternehmen präsentieren sich, ihre jüngsten Meilensteine und ihre Produkte in knackigen Teasern, die in den Social Media millionenfach geklickt werden. Was genau macht den Reiz aus? Die kurzen Filme schaffen es, die Essenz der Botschaft zu kommunizieren, den Zuschauer emotional zu erreichen und seine Neugierde auf mehr zu wecken. Minutenlange Standing Ovations des Publikums unterstrichen, dass es Doss mehr als gelungen war, seine Botschaft in Bewegung zu versetzen.

Dass Performance nicht nur eine Frage des Auftretens, sondern auch der Kleidung ist, verdeutlichte Imageberaterin und Trainerin Petra Walminghaus in ihrem Workshop „Erfolgsfaktor Erscheinungsbild“. Die Expertin für Outfit und Auftritt räumte mit klassischen Vorurteilen auf und verdeutlichte anhand von Freiwilligen, warum der Klassiker „weißes Hemd, schwarzes Sakko“ noch lange nicht jedem Mann steht und wieso es als Speaker ratsam ist, sich vor dem Auftritt mit Farbe und Beleuchtung der Bühne auseinanderzusetzen.

Weg von der Rolle – hin zum Ich

 

Wie ich in meiner Performance „weg von der Rolle und hin zum Ich“ komme, demonstrierte Katja Kerschgens in ihrem gleichnamigen Workshop. Alles, was für die Bühne antrainiert ist – und damit viel Rolle, wenig Ich bedeutet – sollte man erstmal infrage stellen, so die Rhetorik- und Schlagfertigkeitstrainerin. Ein Perspektivwechsel kann hilfreich sein: Zum Beispiel, indem ich mich in die Rolle des Zuschauers versetze und mich frage, wie etwa meine ständig wackelnde Hand in der Hosentasche beim Publikum ankommt. Kann ich mich auf der Bühne überhaupt ertragen? Wer authentisch auftreten, begeistern und bewegen will, der sollte Perfektion unbedingt vermeiden und auf Augenhöhe mit dem Zuschauer bleiben. Denn in dem Moment, wo ich mich von den anderen abhebe, bin ich nicht mehr Mitmensch. Außerdem sollte ich meine eigenen Geschichten erzählen. Wer Stories von anderen kopiert, verliert früher oder später seine Glaubwürdigkeit. Bewegende Speaker dürfen jedoch durchaus zur Inspiration dienen. Um wirklich „Ich“ auf der Bühne zu sein, muss ich eine Überschneidung zwischen meiner Geschichte und dem Redethema finden und Teile meines Lebens zu einer Botschaft machen können. Wenig Rolle und viel Ich bedeutet auch, sich nicht für andere oder für Geld zu verbiegen und immer ehrlich zu sich selbst zu sein. Und das werden auch die Zuschauer goutieren.

„Ich kenn‘ keinen Stress – nur Strass!“

 

„Willkommen im Märchenland Stress!“ hieß es anschließend bei Dr. Manuela Jacob-Niedballa. Sie räumte in ihrem Vortrag mit dem Mythos Stress auf und verriet, warum Stress eigentlich gar nicht so schlecht ist – vorausgesetzt, wir wissen richtig damit umzugehen. Die verblüffende Erkenntnis: Unser Stress-Empfinden ist ein höchst subjektives Gefühl und hängt gar nicht zwingend davon ab, wie viel wir wirklich zu tun haben, sondern davon, wie wir uns unsere Zeit einteilen! So reichen schon dreißig Minuten ungestörtes Arbeiten am Stück aus, um unser Stressempfinden nachweislich zu senken. Das Fazit: Stress ist hausgemacht, daher forderte Jacob-Niedballa von ihren Zuhörern, sich vom scheinbaren Ideal Multitasking zu verabschieden. Was wir wirklich brauchen, ist ein realistischer Zeitplan, um nicht länger an unseren eigenen, viel zu hoch gesteckten Zielen zu scheitern.

Hand aufs Herz: Sicher gibt es in Ihrem Leben auch jemanden, mit dem Sie sich nicht ausgesöhnt haben. Und leider haben wir in vielen Fällen auch nicht mehr die Chance, das zu tun. Mit genau diesem Thema beschäftigte sich Dr. Shawne Duperon in ihrer Keynote „Accepting the apology you’ll never receive“. Die sechsfache Emmy®-Gewinnerin stellte ihr „Project Forgive“ vor und machte den Vortrag zu einem interaktiven Erlebnis, indem sie das Publikum via „Facebook live“ mit ihrer weltweiten Community verband. 

Im Anschluss feuerte Marketing-Experte David Newman ein regelrechtes Feuerwerk an „High Performance Ideas“ ab. Seine Kernaussage: Performance ist immer ihren Preis wert! Mit anschaulichen Beispielen ermunterte er sein Auditorium, sich nicht länger unter Wert zu verkaufen, um bloß keine Absage zu kassieren. Große Ideen rechtfertigen einen großen Preis – das wissen auch die Entscheider.

„Lasset die Spiele beginnen!“

 

Mit den Speaker Games präsentierte die GSA am Freitagabend ein ganz neues Format, das auch den Newcomern eine Chance bot, sich auf der Bühne zu präsentieren. Unter der Moderation von GSA Vizepräsident Michael Rossié und einer Jury, bestehend aus Sabine Altena, Gerriet Danz und Stefan Verra, konnten die Teilnehmer auf der Bühne ihre Spontaneität als Redner demonstrieren, indem sie ohne Vorbereitungszeit einen kurzen Auftritt zu einem bestimmten Thema absolvieren mussten. Primäres Ziel: Spaß haben und lernen. Aber Gewinner sollte es am Ende trotzdem geben – und die kürte das Publikum: Die finale Aufgabe – nämlich überzeugend zu erklären, warum der Gegner gewinnen sollte – konnte der eben erst zum CSP gekürte Lutz Langhoff für sich entscheiden. Der anhaltende Applaus am Ende der Show auf die Frage hin, ob das Format im nächsten Jahr wiederholt werden soll, ließ keine Fragen mehr offen.

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

 

Den Convention-Samstag eröffnete in diesem Jahr Walter Kohl, Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Er zeigte, dass Performance beileibe nicht laut sein muss: In einem sehr persönlichen und nachdenklich stimmenden Vortrag schilderte er, wie sehr er unter der Bekanntheit seines Vaters, dessen Politik und vor allem unter dem Freitod seiner Mutter gelitten hat. Jeder von uns trägt einen solchen „biographischen Rucksack“, wie Kohl es nannte, mit sich herum. Doch es liegt an uns, was wir daraus machen. „Wir können nicht vor uns selbst weglaufen“, konstatierte Kohl. Daher sei es umso entscheidender, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und einen Weg zum inneren Frieden zu finden. Denn wir werden immer in drei Zeitzonen leben: Der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Nur, wenn wir die Stärkefresser unserer Vergangenheit eliminieren, können wir die daraus gewonnene Kraft im Fluss des Alltags nutzen und gestärkt in unsere Zukunft gehen.

Gemessen am Applaus der Zuschauer war er sicherlich eines der Highlights: Körpersprache-Guru Stefan Verra begeisterte mit „Was sagt mein Körper und warum weiß ich nichts davon?“ Mit seinem unterhaltsamen Mix aus Fachwissen, Humor und fesselnder Bühnen-Präsenz entschlüsselt er wie kein anderer unsere nonverbalen Signale und klärt über Mythen auf: Es gibt nicht das eine Signal, die eine Botschaft, aus der man etwas hundertprozentig erkennen und ableiten kann. Doch Körpersprache verrät viel, weil sie – im Gegensatz zu dem, was wir sagen – viel unbewusster ist. Sie ist nicht wichtiger als Worte, aber sie kommt eben immer zuerst. Wir sehen einen Menschen, nehmen Signale von ihm wahr und treffen blitzschnell eine Entscheidung: Wirkt unser Gegenüber eher gefährlich oder trägt er zu meiner Sicherheit bei? Das Territorialverhalten ist eines der ersten Signale, die wir wahrnehmen. Was löst es in uns aus, wenn ein Mann mit breitbeinigem Türsteher-Stand, vorgeschobener Hüfte und verschränkten Armen vor uns steht? Was, wenn jemand seinem Gegenüber mit überkreuzten Beinen begegnet? Ein enger Stand zeigt an, dass sich die Person nicht traut, Raum in Anspruch zu nehmen. Damit kommt man vielleicht sympathisch rüber – weil nicht gefährlich – aber Kompetenz und Sicherheit werden so nicht ausgestrahlt. Letzteres signalisiert nur der, der sich traut, Raum in Anspruch zu nehmen. „Entscheidet, in welcher Rolle Ihr wahrgenommen werden wollt!“, so sein Appell an das begeisterte Publikum.

Glanz und Gloria

 

Höhepunkt der Veranstaltung war wie gewohnt der feierliche Galaabend, der in diesem Jahr erstmals am Samstag stattfand. Nach Hans-Dietrich Genscher, Margot Käßmann, Dieter Zetsche, Roman Herzog, dem Dalai Lama und Auma Obama nahm in diesem Jahr Helmut Markwort, ehemaliger Chefredakteur und heutiger Herausgeber des Nachrichtenmagazins Focus, den Deutschen Rednerpreis entgegen. Markwort zeigte sich bewegt über die Auszeichnung und bedankte sich bei der Jury mit augenzwinkernden Worten: „Es ist eine große Ehre, mit dem Deutschen Rednerpreis ausgezeichnet zu werden. Und es ist gleichzeitig eine gewaltige Herausforderung an den Dankredner – erst Recht vor einem Publikum mit Professional Speakers.“

In einer weiteren Ehrung wurde der österreichische Arzt, Moderator, Keynote-Speaker und Humorexperte Dr. Roman F. Szeliga in die „German Speakers Hall of Fame“ berufen und damit für sein Lebenswerk als Businessreferent geehrt. In seiner Laudatio stellte der Kommunikationsexperte René Borbonus noch einmal die besondere Klasse des Preisträgers heraus: „Roman, du bist eine Galionsfigur, die lächelnd dem Schaum und dem Sturm des Lebens trotzt. Du bist ein Leuchtfeuer, für Inhalte, für Art und Weise. Du bist ein Clown und ein Arzt für diese Welt, ein ganz besonderer Redner und Mensch und ein Vorbild, für mich und für uns alle.“ Szeliga selbst zeigte sich sichtlich bewegt und rang erst einmal nach Worten, bevor er sich mit einer launigen Acceptance Speech für die Aufnahme in die Hall of Fame bedankte.

 

 

Damit nicht genug: Präsident Martin Laschkolnig ehrte drei herausragende Ehrenamtliche für ihre Unterstützung des Verbandes mit dem President‘s Award. In diesem Jahr ging die begehrte Auszeichnung an Margit Hertlein und Silvia Ziolkowski für ihren unermüdlichen Einsatz rund um das GSA Mentorenprogramm; außerdem wurde Stephan Heinrich für seine Unterstützung der Social Media Kampagnen um die GSA University geehrt.

Next Stop: Salzburg, Austria

 

Noch ein Jahr Amtszeit als Präsident der German Speakers Association bleibt jetzt Martin Laschkolnig. Er wird gemeinsam mit Convention-Chair Nils Bäumer das Speakermeeting 2017 in Salzburg gestalten, das unter dem Motto „Reden. Macht. Sinn. Making a Difference.“ stehen wird. Dort wird er das Amt an seinen Nachfolger Peter Brandl übergeben, der am Vorabend der Convention von Mitgliedern und Vorstand der GSA zum President Elect gewählt wurde. Ebenso wie Laschkolnig fühlt sich Peter Brandl dem Spirit von Cavett Robert sehr verbunden, seines Zeichens Gründer des amerikanischen Speakerverbandes. „Make this pie bigger“ – „Macht den Kuchen größer für alle“ fordert auch Brandl. Der Keynotespeaker, Unternehmer und Berufspilot hat es sich auf die Fahnen geschrieben, das Berufsbild des Professional Speakers bekannter zu machen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Kollegen zu stärken.

Herzlichen Dank!

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden, Ausstellern, Partnern und Sponsoren sowie allen Helfern, die diese Convention mitgestaltet haben!

 

GSA Convention 2017

Nicht verpassen!

Die Internationale GSA Convention 2017 unter dem Motto „Reden. Macht. Sinn. Making a Difference.“ findet vom 7. bis 9. September in Salzburg statt.