Humortechniken für Speaker Folge 71: Katastrophengeschichten

von GSA-Vize Michael Rossié, CSP

Polizeibericht vom 4. Juli 2014:
Die Türen zum Saal der Stadthalle öffnen pünktlich um 19.30 Uhr für den Auftritt des Speakers R..
Um 20.32 Uhr begann der Vortrag mit leichter Verspätung, da der Direktor der veranstaltenden Sparkasse, die Auszeichnungen und Preise des Speakers R. nicht fehlerfrei vorzutragen in der Lage war. Erste leichte Unruhe.
Einen ersten Höhepunkt erreicht die Key-note gegen 20.42, als R. ausführte, dass Erfolg ausschließlich eine Folge der Einstellung sei. Verstärktes Gemurmel im Publikum.
Um 20.51 führt dann der Satz „Die Erfolglosen sind dumm!“ zu ersten verbalen Ausschreitungen seitens des Publikums.
Gegen 20.56 erreichen die ersten Mürbegebäckstücke der Bäckerei Rosendorfer die Bühne, und damit den Speaker R.. Erster Treffer gegen 20.59.
Ab 21.04 ist R. aufgrund der protestierenden Zuschauer für weite Teiles des Publikums nicht mehr zu verstehen. Aufgrund hastigen Weiterschaltens stürzt der Beamer der Fa. Epson mit einem kurzen Signalton ab. Das aktuelle Chart mit der Kurve zur chakralen Lebensenergie dupliziert sich innerhalb weniger Minuten mehrere hundert Male, begleitet von einem rhythmischen Piepston.
Um 21.14 Uhr betritt die Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins die Bühne, um dem Speaker R. zu Hilfe zu eilen, der durch ein gezielt geworfenes Stück Sahnetorte zeitweise die Orientierung verloren hat.
Knappe drei Minuten später wurde sie von einer gut gezielten Essiggurke aus dem Spreewald derartig am Kopf getroffen, dass sie wie ein gefällter Baum auf die Bühne schlägt. Später stellte sich heraus, dass sämtliche Lebensmittel aus dem Büffet der Fa. Iss-dich-fit stammten, die den Geschmack der Zuschauer offensichtlich nicht ganz getroffen hatte.
Nachdem mehrere Aktivisten der Menschenrechtsorganisation PETO (People for ethical Treatment of Orators) die Bühne gestürmt hat, um in rhythmischen Sprechchören dazu aufzurufen, auch schlechte Speaker ausreden zu lassen, droht die Veranstaltung zu entgleisen.
Der überforderte Leiter der anwesenden Berufsfeuerwehr erkennt blitzschnell das Eintreten eines Notfalles und gibt aufgrund mangelnder Erfahrung das einzige Notsignal, das ihm zur Verfügung steht: „Wasser marsch!“
Um 22.03 steht die gesamte Bühne 3 cm unter Wasser während eine große Flutwelle sich über den vorderen Bühnenrand auf die Ehrengäste ergießt.
Unglücklicherweise befindet sich der schon etwas in die Jahre gekommene Schaltkasten für die elektrische Versorgung der Stadthalle unterhalb der Bühne und wird von den hereinströmenden Wassermassen ohne Umwege erreicht.
Kurz nach der Evakuierung des Gebäudes fliegt die Stadthalle in H. mit einem großen Knall in die Luft und gut angezogene Menschen auf der Suche nach ihren Habseligkeiten werden von herumfliegenden Trümmerteilen an Kopf oder Schultern getroffen. Menschen, die an einem Samstagabend nur mal eben ausgegangen waren, um ihr Wissen miteinander zu teilen.

Die Katastrophengeschichten sind im Grunde eine Form der Übertreibung. Eine Geschichte wird immer weiter vorangetrieben und die Ereignisse überstürzen sich. Alles wird immer schlimmer.

„Wie kommen Sie in die Psychiatrie?“, fragt der Psychologe. Es fing alles damit an, antwortet der Patient, dass ich eine Witwe mit einer erwachsenen Tochter geheiratet habe. Mein Vater kam zu Besuch und verliebte sich in meine Stieftochter und heiratete sie. So war meine Stieftochter plötzlich meine Stiefmutter. Kurz darauf bekam meine Frau einen Sohn und der war natürlich der Schwager meines Vaters, da er ja der Halbbruder meiner Stieftochter ist, die ja die Frau meines Vaters ist. Da mein jüngster Sohn Bruder meiner Stiefmutter ist, wurde er damit mein Onkel. Wie Sie wissen ist meine Frau, meine Stiefgroßmutter, und ich bin nicht nur der Enkel meiner Frau und ihr Ehemann, ich bin auch mein eigener Großvater. Wenn das nicht genug ist, um verrückt zu werden. (Bausinger, zit. nach Röhrich, der Witz, S.61)

John Vorhaus (Handwerk Humor. S.202) nennt das den Augenbrauen-Effekt: „Schaffen Sie eine Situation, in der die Lösung eines Problems ein etwas größeres Problem erzeugt, bei dessen Lösung ein noch größeres Problem entsteht, bei dessen Lösung…“

Die Kindergärtnerin Ein kleiner Junge hatte beim Stiefelanziehen Probleme und so kniete seine Kindergärtnerin sich nieder, um ihm dabei zu helfen. Mit gemeinsamem Stossen, Ziehen und Zerren gelang es, zuerst den einen und schließlich auch noch den zweiten Stiefel anzuziehen. Als der Kleine sagte: “Die Stiefel sind ja am falschen Fuß!”, schluckte die Kindergärtnerin ihren Anflug von Ärger runter und schaute ungläubig auf die Füße des Kleinen. Aber es war so: links und rechts waren tatsächlich vertauscht. Nun war es für die Kindergärtnerin ebenso mühsam wie beim ersten Mal, die Stiefel wieder abzustreifen. Es gelang ihr aber, ihre Fassung zu bewahren, während sie die Stiefel tauschten und dann gemeinsam wieder anzogen, ebenfalls wieder unter heftigem Zerren und Ziehen. Als das Werk vollbracht war, sagte der Kleine: “Das sind nicht meine Stiefel!” Dies verursachte in ihrem Inneren eine neuerliche, nun bereits deutlichere Welle von Ärger und sie biss sich heftig auf die Zunge, damit das hässliche Wort, das darauf gelegen hatte, nicht ihrem Mund entschlüpfte. So sagte sie lediglich: “Warum sagst du das erst jetzt?” Ihrem Schicksal ergeben, kniete sie sich nieder und zerrte abermals an den widerspenstigen Stiefeln, bis sie wieder ausgezogen waren. Da erklärte der Kleine deutlicher: “Das sind nicht meine Stiefel, denn sie gehören meinem Bruder. Aber meine Mutter hat gesagt, ich muss sie heute anziehen, weil es so kalt ist.” In diesem Moment wusste sie nicht mehr, ob sie laut schreien oder still weinen sollte. Sie nahm nochmals ihre ganze Selbstbeherrschung zusammen und stiess, schob und zerrte die blöden Stiefel wieder an die kleinen Füsse. Endlich fertig. Dann fragte sie den Jungen erleichtert: “Okay, und wo sind deine Handschuhe?” Darauf der Kleine: “Ich hab sie vorn in die Stiefel gesteckt.”

Ein kleiner Mann sitzt in einer Bar und schaut traurig auf seinen Drink. Plötzlich kommt ein großer Kerl, setzt sich neben ihn, nimmt dessen Glas und trinkt es aus. Der kleine Mann beginnt zu weinen. Der große Kerl hat diese Reaktion nicht erwartet. “Komm schon, ich hab nur nen Witz gemacht”, sagt er, “hier ich besorge dir nen neuen Drink. Ich hasse es, einen Mann weinen zu sehen.“
“Ach, das ist es nicht”, sagt der kleine Mann, “Heute ist der schrecklichste Tag in meinem Leben. Erst verschlafe ich und komme zu spät zu einer wichtigen Sitzung, und mein Chef feuert mich. Als ich das Gebäude verlasse, sehe ich, dass mein Wagen gestohlen worden ist. Die Polizei meinte, sie könne nichts machen. Also nehme ich ein Taxi nach Hause, und nachdem ich den Fahrer bezahlt habe und er weggefahren ist, entdecke ich, dass ich mein Portemonnaie auf dem Sitz hab liegen lassen. Dann komme ich nach Hause und erwische meine Frau im Bett mit dem Gärtner. Also gehe ich hierhin. Endlich fasse ich den Entschluss, mir das Leben zu nehmen, und da nehmen SIE mein Glas mit dem Gift.”

Ein Polizist stoppt einen jungen Mann, der in einer 30-KM-Zone mit 80 km/h erwischt wird und es kommt zu folgender Unterhaltung:
“Kann ich bitte Ihren Führerschein sehen?”
“Ich habe keinen mehr. Der wurde mir vor ein paar Wochen entzogen, da ich zum 3. Mal betrunken Auto gefahren bin.”
“Aha, kann ich dann bitte den Fahrzeugschein sehen?”
“Das ist nicht mein Auto, ich habe es gestohlen.”
“Der Wagen ist geklaut?”
“Ja – aber lassen Sie mich kurz überlegen, ich glaube, die Papiere habe ich im Handschuhfach gesehen, als ich meine Pistole reingelegt habe.”
“Sie haben eine Pistole im Handschuhfach?”
“Stimmt. Ich habe sie dort schnell reingeworfen, nachdem ich die Fahrerin des Wagens erschossen habe und die Leiche dann hinten in den Kofferraum gelegt habe.”
“Wie bitte? Sie haben eine Leiche im Kofferraum?”
“Ja!”
Nachdem der Polizist das gehört hat, ruft er über Funk sofort den diensthöheren Kollegen an, damit er von diesem Unterstützung bekomme. Das Auto wurde umstellt und als der Kollege eintraf, ging er langsam auf den Fahrer zu und fragte noch mal:
“Kann ich bitte Ihren Führerschein sehen?”
“Sicher, hier bitte (Fahrer zeigt den gültigen Führerschein)”
“Wessen Auto ist das?”
“Meins, hier sind die Papiere.”
“Können Sie bitte noch das Handschuhfach öffnen, ich möchte kurz prüfen ob Sie eine Pistole dort deponiert haben.”
“Natürlich gern, aber ich habe keine Pistole darin.” (Natürlich war dort auch keine Pistole)
“Kann ich dann noch einen Blick in Ihren Kofferraum werfen. Mein Mitarbeiter sagte mir, dass Sie darin eine Leiche haben.”
Der Kofferraum wird geöffnet: keine Leiche.
“Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht. Der Polizist, der sie angehalten hat, sagte mir, dass Sie keinen Führerschein hätten und das Auto gestohlen sei. Außerdem hätten Sie eine Pistole im Handschuhfach und eine Leiche im Kofferraum.”
“Na super. Und ich wette, er hat Ihnen auch erzählt, dass ich zu schnell gefahren bin …”

Als Napoleon 1815 von Elba floh, veränderten sich die Schlagzeilen französischer Zeitungen
Das korsische Monster landet im Golf von Juan.
Der Kannibale marschiert nach Grasse.
Der Eroberer hat Grenoble besetzt.
Bonaparte betritt Lyon.
Napoleon marschiert Richtung Fontainebleau.
Seine königliche Hoheit wird morgen in Paris erwartet.

ÜBUNG
Stellen Sie sich vor, ein Agent preist einen Speaker an, und im Laufe des Gespräches stellt sich so nach und nach heraus, dass der Speaker eigentlich eine ganz furchtbare Niete ist.

Ein Kölner sitzt mit seinen Sprösslingen im Nichtraucherabteil und qualmt mächtig aus der Pfeife. Eine mitfahrende Dame sagt höflich zu ihm: “Entschuldigen Sie, mein Herr, hier ist Nichtraucher!” Der Kölner antwortet nichts, sondern pafft einfach weiter. Die Dame geht zum Schaffner, und der sagt etwas deutlicher: “Haben Sie nicht gehört, hier ist Nichtraucher!” Der Kölner pafft ruhig weiter. Der Schaffner geht zum Zugführer. Der kommt hereingebraust und sagt: “Zum Donnerwetter nochmal, hier ist Nichtraucher. Wenn Sie nicht augenblicklich das Rauchen einstellen, passiert hier noch was. Der Schweigsame öffnet den Mund und sagt: “Wat soll mer schon passere? Ming Frau wor op dem Kölner Hauptbahnhoff op dem Höffche und hät dä Zoch verpaß. De Köbes hät am Finster erusjelurt, un sing Mötz es fottjefloge. Et Trina hät et Himbeerwasser üvver et wieße Kleidche jeschött. Dat Pitterche hät jet en de Botz jemaat. Et Rosa hät sämplije Billjette verlore. Mer setze all em falsche Zoch. Un ich han keine Penning Jeld en de Täsch. Wat soll mer schon passeere?”

LÖSUNGSVORSCHLÄGE
Unterhalten sich zwei Speaker:

Gespräch zwischen einem Veranstalter und dem Agenten der Speakeragentur:
„Der Speaker R. gefällt mir nicht. Der ist langweilig.“
„Aber den kennen die Leute doch vom Fernsehen?“
„Und zu sagen hat er auch nichts!“
„Besser als wenn er das falsche sagt.“
„Das haben wir doch schon hundert Mal gehört.“
„Das wissen die Zuschauer aber erst hinterher, und dann ist es zu spät.“
„Und teuer ist er auch noch.“
„Dafür hat er kurzfristig Zeit.“
„Und nett ist er auch nicht.“
„Wollen Sie ihn heiraten oder auf die Bühne schicken?“
„Der kommt wirklich auf zwei Krücken?“
„Behinderte sind gerade total hipp!“
„Und man sagt, dass er sich dauernd verspricht!“
„Aber klar, der ist authentisch!“
„Und er redet wirklich nur eine läppische halbe Stunde?“
„Ja, was denn nun? Sind Sie Masochist? Seien Sie froh, wenn er möglichst schnell fertig ist.“
„Und einen Hubschrauber soll ich auch noch bezahlen.“
„Dann ist er wenigstens pünktlich!“
„Nein, den will ich nicht!“
„Na, Sie sind aber anspruchsvoll. Ich liefere Ihnen den perfekten Speaker und Sie haben an allem etwas auszusetzen.“

Sonnenfinsternis auf dem Kasernenhof von Wolfgang Neuss:

Der Oberst zum Adjutanten:
Morgen früh ist eine Sonnenfinsternis, etwas, was nicht alle Tage passiert. Die Männer sollen im Drillich auf dem Kasernenhof stehen und sich das seltene Schauspiel ansehen. Ich werde es ihnen erklären. Falls es regnet, werden wir nichts sehen, dann sollen sie in die Sporthalle gehen.
Adjutant zum Hauptmann:
Befehl vom Oberst. Morgen früh um neun ist eine Sonnenfinsternis. Wenn es regnet, kann man sie vom Kasernenhof aus nicht sehen, dann findet sie im Drillich in der Sporthalle statt. Etwas, was nicht alle Tage passiert. Der Oberst wird’s erklären, weil das Schauspiel selten ist.
Hauptmann zum Leutnant:
Schauspiel vom Oberst morgen früh neun Uhr im Drillich Einweihung der Sonnenfinsternis in der Sporthalle. Der Oberst wird’s erklären, warum es regnet. Sehr selten sowas!
Leutnant zum Feldwebel:
Seltener Schauspiel-Befehl: Morgen um neun wird der Oberst im Drillich die Sonne verfinstern, wie es alle Tage passiert in der Sporthalle, wenn ein schöner Tag ist. Wenn’s regnet, Kasernenhof!
Feldwebel zum Unteroffizier:
Morgen um neun Verfinsterung des Oberst im Drillich wegen der Sonne. Wenn es in der Sporthalle regnet, was nicht alle Tage passiert, antreten auf’m Kasernenhof! Sollten Schauspieler dabei sein, sollen sie sich selten machen.
Gespräch unter den Soldaten:
“Haste schon gehört, wenn’s morgen regnet…”
“Ja, ick wees, der Oberst will unsern Drillich verfinstern. Det dollste Ding: Wenn die Sonne keinen Hof hat, will er ihr einen machen. Schauspieler sollen Selter bekommen, typisch! Dann will er erklären, warum er aus rein sportlichen Gründen die Kaserne nicht mehr sehen kann. Schade, dass det nicht alle Tage passiert.”

Eine Mutter kommt in das Zimmer ihrer Tochter und findet es verlassen vor. Auf dem Bett liegt folgender Brief: Liebe Mami, es tut mir sehr leid dir sagen zu müssen, das ich mit meinem neuen Freund von zuhause weggegangen bin. Ich habe in ihm die wahre Liebe gefunden. Du solltest ihn sehen, er ist ja soooo süß mit seinen vielen Tattoos und den ganzen Piercings und vor allen seinem Megateil von Motorrad! Aber das ist noch nicht alles Mami: Ich bin endlich schwanger, und Abdul sagt, wir werden ein schönes Leben haben in seinem Wohnwagen mitten im Wald! Er will noch viele Kinder von mir, und das ist auch mein Traum. Und da ich draufgekommen bin, dass Marihuana eigentlich gut tut, werden wir das Gras auch für unsere Freunde anbauen, wenn denen einmal das Koks oder Heroin ausgeht, damit sie nicht so sehr leiden müssen… In der Zwischenzeit hoffe ich, das die Wissenschaft endlich ein Mittel gegen Aids findet, damit es Abdul bald besser geht, er verdient es wirklich! Du brauchst keine Angst zu haben, Mami, ich bin schon 13 und kann ganz gut auf mich selber aufpassen! Ich hoffe ich kann dich bald besuchen kommen, damit du deine Enkel kennen lernst! Deine geliebte Tochter. PS.: Alles Blödsinn, Mami, ich bin bei den Nachbarn! Wollte dir nur sagen, dass es schlimmere Dinge im Leben gibt als das Zeugnis, das aufm Nachtkästchen liegt! Hab dich lieb! Deine Tochter

Ein reicher Mann kommt aus einem Sanatorium, wo er sich erholen sollte. Bestens gelaunt und total entspannt kehrt er zurück. Sein Chauffeur holt ihn am Bahnhof ab.
„Nun, John, ist irgendwas passiert, als ich weg war?“
„Nein, es ist nichts passiert. Alles ist so, wie es war.“
„Erzählen Sie mir was John, egal, wie unwichtig es Ihnen erscheinen mag. Es muss doch irgendwas passiert sein!“
„Es ist wirklich nichts passiert. Außer einer kleinen Sache vielleicht. Der Hund ist gestorben während Sie weg waren.“
„Mein Hund? Wie ist er ums Leben gekommen?“
„Er hat verbranntes Pferdefleisch gegessen.“
„Verbranntes Pferdefleisch? Wo hat er das denn her?“
„Sehen Sie, Ihr Pferdestall ist abgebrannt. Der Hund ist da rein und hat das verbrannte Fleisch gegessen. Das hat ihn getötet.“
„Der Pferdestall ist abgebrannt. Wie ist das denn passiert?“
„Die Funken vom Haus sind auf den Stall übergesprungen. Dann hat das Dach des Stalls gebrannt. Die Pferde sind verbrannt. Und dann ist der Hund rein, hat das Pferdefleisch gegessen und ist daran gestorben.
„Funken vom Haus? Ist mein Haus denn auch abgebrannt?“
„Leider ist vom Haus nichts mehr übrig.“
„Wie konnte das Haus Feuer fangen?“
„Als alle die Kerzen brannten, da haben die Vorhänge Feuer gefangen und das ganze Haus fing an zu brennen. Die Funke flogen auf den Pferdestall…“
„Alle die Kerzen? Wir haben nur Gas und Strom. Wo kamen die ganzen Kerzen her?“
„Die Kerzen standen rund um den Sarg!“
„Sarg? Wer ist denn gestorben?“
„Das ist eine andere winzige Kleinigkeit, die ich vergessen habe zu erzählen. Ihre Schwiegermutter ist tot.“
„Meine Schwiegermutter? Woran ist sie gestorben?“
„Da sind wir uns nicht ganz sicher, aber in der Nachbarschaft sind sich fast alle sicher, dass es der Schock war, dass Ihre Frau mit dem Reitlehrer durchgebrannt ist. Aber sonst ist wirklich nichts passiert.“
Evan Esar

Stell Dir vor, mir ist neulich was passiert. Ich bin auf der Bühne gestolpert.
Das ist noch gar nichts. Ich bin auf der Bühne umgefallen.
Einfach so?
Nein, nicht einfach so. Mitsamt des Rednerpultes.
Das hat doch bestimmt weh getan.
Hat es. Vor allem hat es gedauert, ehe sie mich aus dem Orchestergraben wieder rausgeholt hatten.
Oh mein Gott. Das ist ja furchtbar.
Nein, furchtbar war, dass die Nase nicht zu bluten aufhörte.
Nein, was hast du dann nur gemacht?
Ich habe dann nur noch Richtung Folien geschaut.
Hat dich das gerettet.
Nicht ganz. Mein Gebiss hat sich gelöst und ich musste es jetzt mit der linken Hand festhalten.
Gott sei Dank hat das geklappt.
Na ja, nicht ganz.
Wieso nicht ganz?
Es wäre kein Problem gewesen, wenn mir nicht noch die Hose gerissen wäre.
Oh mein Gott, und was hast du gemacht?
Der Mensch hat Gott sei Dank zwei Arme. Ich habe die rechte Hand in die Hostentasche gesteckt und die Hose festgehalten.
Da hat es dir aber gereicht für diesen Abend.
Eigentlich ja. Aber leider musste ich husten. Und ich hatte keine Hand mehr frei.
Oh nein. Und dann?
Ich hab in mein Jackett gehustet. Das war kein Problem. wenn nicht noch dieser verflixte Harndruck dazu gekommen wäre.
Mitten im Vortrag? Du Armer.
Ich kenne da nichts. Beine verschränkt und weiter.
Und das hat niemand gemerkt.
Die meisten haben mehr auf das Blut geachtet, was aus meiner Nase getropft ist
Da warst du aber froh als es vorbei war?
Ja, das Bluten hörte irgendwann auf. Dafür konnte ich irgendwann nicht mehr. Die Hose wurde langsam dunkel und es bildete sich eine kleine Lache unter dem linken Hosenbein.
Um Gottes Willen, und was hast du dann gemacht?
Da hilft nur eines: Ignorieren!

E N D E

By |2018-07-25T15:14:16+00:0025. Juli 2018|

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Michael Rossié, CSP

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