Rückblick: Internationale GSA Convention 2015

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Wie durch Perspektivenwechsel Perspektiven wachsen

Rückblick auf die 10. Internationale GSA Convention

 

Auf die andere Seite wechseln, in den Schuhen des anderen gehen, vom Resultat her denken – so oder so ähnlich lauteten die Kernbotschaften der Keynoter und Workshopleiter zu ihren spezifischen Themen auf der diesjährigen Jubiläums-Convention der German Speakers Association. Alle Redner und Trainer versuchten, eine Lanze für den Perspektivenwechsel zu brechen, weil nur dann wirklich Veränderung möglich wird.

Besonders berührt waren die Teilnehmer vom Auftritt des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. In seinem emotionalen und engagierten Vortrag hatten sie erstmals Gelegenheit, die Causa Wulff, die schließlich zu seinem Rücktritt geführt hatte, mit den Augen des Betroffenen selbst zu sehen. Er wagte einen differenzierten Blick auf die Macht der Medien, der Justiz, der Politik und der öffentlichen Meinung. „Wenn ein Politiker nicht mehr bei seinem Freund auf dem Sofa übernachten darf, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden, dann wird es schwieriger werden, Nachwuchs und Talente für die politische Bühne zu gewinnen“, so das ehemalige Staatsoberhaupt sinngemäß. Denn „wem es in der Küche zu heiß ist, der wird nicht mehr Koch!“

Sie wissen nicht, was die 3-S-Zentrale der deutschen Bahn ist? Das ist die Abteilung, die Sie im Falle einer Aufzugstörung kontaktieren sollen. Die drei „S“ stehen für Service, Sicherheit und Sauberkeit. Und für die ausländischen Liftgeschädigten heißt das dann „triple-S-centre“. Ein eindrucksvolles Beispiel für völlig fehlgeleitete Kommunikation von Unternehmen lieferte der Klartext-Experte Thilo Baum. Sein Vortrag “Denk mit! Erfolg durch Perspektivenwechsel” zielte amüsant und kurzweilig auf die Notwendigkeit, die Sicht des anderen einzunehmen, will man ihn wirklich erreichen. Denn schließlich kann und muss ein Nicht-Bahn-Angestellter nicht wissen, was die „3-S-Zentrale“ ist. Für den, der mit Platzangst im Aufzug steckt, wäre die Notfallnummer sicherlich ausreichend. Unverständliche Insidertexte, Produkte mit wenig Usability, mangelndes Mitdenken für das Gegenüber, das informiert werden oder kaufen soll – Baum zeigte eloquent und kenntnisreich, wie man Kunden, Kollegen oder die Öffentlichkeit erreicht, wenn man für sie mitdenkt.

Positionierung – immer wieder eines der beliebtesten Themen für Speaker und Trainer auf der GSA Convention. Und so war auch der Workshop der US-Amerikanerin Dr. Renée Moore bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch sie spielte mit dem Bild eines anderen Blickwinkels. Bei der Positionierung geht es nicht darum, sich selbst ein Etikett anzuhängen, sondern das Resultat, das der Kunde erwarten kann, in den Fokus zu nehmen. „Menschen kaufen keine Produkte, sie kaufen Ergebnisse.“ Gerade Berater sollten dies beherzigen. Oft nennen sie sich „Mentalcoach“, „Vertriebstrainer“ oder „Rhetorikexperte“, aber was hat der Kunde davon? Was bekommt er für sein Geld? Was ist sein Ergebnis, sein Nutzen?

Wenn man den Suchbegriff “Professional Speaker” bei Google eingibt, erhält man innerhalb eines Wimpernschlags 30 Millionen Suchergebnisse. Die Konkurrenz ist hart, viele Themengebiete sind direkt von mehreren selbsternannten Experten besetzt. Um in diesem Haifischbecken erfolgreich zu sein, reicht es nicht, einer von vielen zu sein. Ruby Newell-Legner, Präsidentin der National Speakers Association (NSA), blickte in ihrer Keynote auf ihren eigenen Werdegang zurück und verriet den Zuhörern ihr Erfolgsgeheimnis: „Change your perspective and it will change your life!“ Wir verbringen viel zu viel Zeit damit, uns darüber zu beschweren, was wir nicht haben, nicht können oder nicht wollen. Wieso ändern wir nicht die Perspektive und fokussieren uns stattdessen auf das, was wir haben und was wir daraus machen können? Denn es sind heute nicht mehr die Alleskönner, die Generalisten, die gefragt sind. Wirklich erfolgreich wird, wer sich auf seine Talente besinnt und Mut zur Spezialisierung zeigt. Die Entscheidung dazu, so Newell-Legner, liegt einzig und alleine bei uns.

Weniger um Perspektivenwechsel als um einen realistischen Blick auf den Weiterbildungsmarkt – oder genauer auf das Vortragsbusiness – ging es Thomas Lünendonk in seiner Keynote. Der Fachmann für systematische Marktforschung, Branchen- und Unternehmensanalysen wagte eine Einschätzung auf das Volumen des Speakergeschäfts, um zu dem Schluss zu kommen, dass es keine validen Zahlen gibt. Belastbare Fakten sind rar gesät, und so forderte Lünendonk die GSA und ihre Mitglieder auf, vielleicht zukünftig selbst einmal Honorarstaffelungen und Umsätze zu untersuchen. Lünendonk überraschte zudem mit seiner glänzenden Bühnenperformance. Wer glaubte, es werde ein nüchterner Zahlen-Daten-Fakten-Vortrag, konnte sich an der humorvollen, eloquenten und fachkundigen Keynote erfreuen.

Mit der Berliner Schnauze, wie wir sie von ihm kennen, fegte Karsten Brocke alles vom Tisch, was die Teilnehmer über das Thema Verkaufen zu wissen glaubten. Er konstatierte: „Den Verkauf an sich gibt es gar nicht. Es gibt höchstens einen Verkaufsprozess, und in dem geht es darum, den anderen zu aktivieren, Entscheidungen zu treffen.“ Immer das Modell eines menschlichen Gehirns in der Hand, frech, augenzwinkernd und äußerst lebendig, brachte Brocke den Zuhörern sein Wissen zum Thema Neuromarketing, Verkauf und Hirnforschung näher.

Erstmals im Umfeld der GSA tauchte ein Mann auf, der wohl alle in seinen Bann gezogen hat. Mit  „How to be lustig“ und „Humor, der unterschätzte Wirtschaftsfaktor“ redete sich TV-Moderator, Stand upper und Comedycoach Klaus-Jürgen (alias „Knacki“) Deuser in die Herzen und Lachmuskeln der Zuschauer. Er demonstrierte in Vortrag und Workshop eindrucksvoll, dass Humor nicht bedeutet, einen Schenkelklopfer nach dem anderen zu produzieren, sondern manchmal alleine eine kleine Atempause, richtig oder falsch gesetzt, über den Erfolg der Pointe entscheidet. Und witzig kann nur sein, wer sich auch ein gnadenloses Scheitern zugestehen kann. Denn ob ein Gag funktioniert, sieht man erst in der Livesituation vor Publikum. Der Clown muss erst stolpern, bevor das Publikum herzhaft lacht.

„Wenn die Synapsen ratzen. Ein Weckruf für die Kreativität“ – So lautete der Titel des Workshops von Nils Bäumer, der allerdings noch unter einem zweiten Motto stand: „Kreativität ist Science Fiction“. Die interaktive Dreiviertelstunde rund um Star Wars und seine Helden lud nicht nur zum Mitdenken, sondern auch zum Mitmachen ein. Bäumer demonstrierte, wie Kreative nicht nur quer-, sondern komplett umdenken und mit welchen Techniken man sich selbst in einen kreativen Modus versetzen und eingefahrene Denkmuster durchbrechen kann. Ein Exkurs zum illustrierenden Einsatz von Gegenständen auf der Rednerbühne rundete die gelungene Wissensinjektion ab.

Humorig und überaus lehrreich gestaltete sich der Workshop des frischen GSA-Absolventen Thomas Skipwith: „Nie mehr sprachlos. Stegreifreden für jeden“. In einem Mix aus englischem Witz und eidgenössischem Charme präsentierte der Schweizer mit teils britischen Wurzeln eine fast narrensichere Methode, wie Stegreifreden auch dann gelingen, wenn man von einem Moment zum anderen ins kalte Wasser geworfen wird. Entlang der G-H-M-Leitlinie (Gestern–Heute–Morgen) lassen sich eindrucksvolle Instant-Reden generieren, die von der eigenen Erinnerung über die aktuelle Erfahrung zu einem spannenden Ausblick in die Zukunft führen. Als unterhaltsamer Höhepunkt entpuppte sich die Partnerübung, bei der jeder Teilnehmer eine Stegreifrede nach thematischer Vorgabe seines Gegenübers halten musste.     

„Eine gute Idee wird fast immer geklaut“, konstatierte Matthias Nöllke in seiner Keynote am Samstagmorgen und wies damit auf einen wunden Punkt der Rednerbranche hin. Gerne sieht man sich als eine große Familie – doch wenn es um den Erfolg geht, hört so manche Freundschaft auf und macht stattdessen Platz für Ideenklau, Größenwahn und üble Nachrede. „Klauen an sich ist nicht das Problem – man darf sich nur nicht erwischen lassen!“: Mit hintergründigem Humor bemerkte Nöllke, dass viele gute Ideen erst richtig erfolgreich geworden sind, nachdem sie sich jemand zu eigenen gemacht und weiterentwickelt hat – wie etwa die Glühbirne oder das Telefon. Auf unterhaltsame Weise entlarvte Nöllke nach und nach, was hinter den kleinen Schandtaten des Alltags steckt, warum sie Spaß machen und wie wir uns am besten gegen sie wappnen können.

Ebenfalls auf der großen Bühne glänzten Matthias Pöhm mit seiner nicht unumstrittenen Forderung, ohne Powerpoint zu faszinieren, Frauke Ion mit ihrem Perspektivenwechsel auf mehr „Ich sehe, was der Kunde sieht“ oder Cirque du Soleil-Star Christian Lindemann mit seinem Thema „Showtime: Auf den Bühnen des Lebens“. Letztgenannter machte dabei seinem Namen als „König der Taschendiebe“ alle Ehre und erleichterte während seines Auftritts fünf ahnungslose Teilnehmer um Handys, Uhren oder Visitenkarten. Lindemann beweist: Wir können uns noch so sehr bemühen – wenn wir die falsche Perspektive haben, bekommen wir wichtige Dinge einfach nicht mit. Unter Umständen auch nicht den Diebstahl der eigenen Geldbörse.

Parallel zum „klassischen“ Convention-Programm wollte die GSA auch Vertretern der Generation Y zwei Tage lang einen Perspektivenwechsel bieten – mit der von Steffi Burkhart ins Leben gerufenen Gen Y Convention „Think out of the BusinessBOX“. Zusammen mit Hans-Uwe L. Köhler führte Burkhart durch das abwechslungsweise Programm. Am ersten Tag des Kongresses erlebten die rund 50 Teilnehmer zusammen mit den Besuchern der GSA Convention große Redner auf der Bühne. Der zweite Tag wartete mit praxisorientierten Workshops auf, in denen die „Gen Y-ler“  unter anderem lernen konnten, auf rationaler und emotionaler Ebene überzeugend zu argumentieren oder wie man beim Vortragen die innere Sicherheit bewahrt.  Die Teilnehmer zeigten sich begeistert, der erste Gen Y Convention der GSA war ein voller Erfolg!

Präsidentenwechsel

Für die GSA stand am Samstagmorgen außerdem ein ganz spezieller „Perspektivenwechsel“ an: Nach zweijähriger Amtszeit übergab Andreas Buhr die Präsidentschaft an seinen Nachfolger Martin Laschkolnig, der nun bis Herbst 2017 die Geschicke der GSA leiten wird. Seine Amtszeit wird unter dem Motto „Begeistern. Bewegen. Bewirken. Speaking mit Herz und Hirn.“ stehen. In seiner Antrittsrede erklärte der Linzer Unternehmer, Speaker und Trainer genauer, was er sich für die nächsten zwei Jahre vorgenommen hat: „Ich möchte den gemeinsamen ‚Spirit‘, der uns Redner in der ganzen Welt verbindet, in den Mittelpunkt rücken. Wir sind Teil dieser Gemeinschaft, um alle voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu unterstützen. Darauf müssen wir uns besinnen, denn nur wenn wir diesen ‚Spirit‘ wirklich leben, können wir alle voneinander profitieren und noch besser werden in dem, was wir tun.“

Herzlichen Dank!

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden, Ausstellern, Partnern und Sponsoren sowie allen Helfern, die diese Convention mitgestaltet haben!

 

GSA Convention 2016

Nicht verpassen!

Die Internationale GSA Convention 2016 unter dem Motto "Performance 2016 - Seriously Speaking" findet vom 08.-10. September in Ulm statt.